Eigene Messwerte
Ein Zähler im Schrank — und die Marke ist egal
Zehn Wechselrichter-Marken, und für neun davon gibt es keine Anbindung. Nicht, weil es technisch schwierig wäre: SMA verlangt bis zu 588 Euro im Jahr je Anlage und lässt Anfragen unbeantwortet, Huawei will einen Zugang über Ihren Installateur. Ein Energiezähler im Zählerschrank umgeht das ganze Feld — einmal rund 150 Euro, danach jede Marke und keine Gebühr.
Wofür Sie eigene Messwerte brauchen
Für den Redispatch-Check selbst brauchen Sie sie nicht. Der rechnet aus den Maßnahmen, die Ihr Netzbetreiber veröffentlicht, und aus der Pauschalformel der Bundesnetzagentur — ohne eine einzige eigene Messung. Die Messwerte beantworten die beiden Fragen daneben, und beide gehen um Geld.
Der Nachweis
War die Anlage im Maßnahmenfenster wirklich heruntergefahren? Im Tagesverlauf sieht man das Plateau. Und man sieht Einbrüche, die in keiner Veröffentlichung stehen — nicht veröffentlichte Abregelungen fallen sonst niemandem auf.Die Mengenprüfung
Stimmt, was Ihr Direktvermarkter monatlich abrechnet? Ohne eigene Messwerte lautet unsere Antwort „offen“. Mit ihnen halten wir die abgerechnete Menge gegen die gemessene.Was Sie brauchen
| Posten | Wozu | Größenordnung |
|---|---|---|
| Shelly Pro 3EM | dreiphasiger Energiezähler für die Hutschiene | rund 150 € |
| Drei Stromwandler | passend zum Strom Ihrer Einspeiseleitung | je nach Größe |
| Elektrofachkraft | Einbau im Zählerschrank | eine Arbeitsstunde |
| Netzwerk am Schrank | WLAN oder LAN — im Blechschrank besser Kabel | — |
Preise sind Anhaltspunkte, keine Angebote — wir verkaufen keine Geräte und verdienen an keinem Kauf. Wer mehrere hunderttausend Euro in eine Anlage gesteckt hat, entscheidet das ohnehin nach dem Nutzen und nicht nach dem Preis.
Schritt für Schritt
- 1
Gerät und Wandler passend zur Anlage
Ein Shelly Pro 3EM misst dreiphasig über Stromwandler und sitzt auf der Hutschiene. Entscheidend ist der Wandler: Er muss zum größtmöglichen Strom Ihrer Einspeiseleitung passen. Bei einer 100-kW-Anlage fließen an 400 V rund 145 A je Außenleiter, bei 300 kW rund 430 A. Ein zu klein gewählter Wandler geht in die Sättigung und misst ab da zu wenig — und zwar genau mittags, wenn es darauf ankommt. Fragen Sie Ihre Elektrofachkraft nach dem Wandlerstrom, bevor Sie bestellen.
- 2
Einbau durch eine Elektrofachkraft
Der Zähler kommt in den Zählerschrank, die Wandler um die drei Außenleiter der Einspeiseleitung — dorthin, wo auch der Einspeisezähler misst. Auf die Richtung achten: Der Pfeil auf dem Wandler zeigt in Richtung Netz. Sitzt er andersherum, kommen negative Werte an und die Einspeisung liest sich als Bezug. Arbeiten am Zählerschrank sind nichts für Heimwerker; das macht eine Elektrofachkraft.
- 3
Ins WLAN und ins Shelly-Konto
Der Zähler braucht Netz. Der Pro 3EM kann WLAN und LAN — im Blechschrank ist ein Kabel oft die zuverlässigere Wahl. Danach in der App „Shelly Smart Control“ ein Konto anlegen und das Gerät hinzufügen. Ab hier läuft alles über Ihr Konto, nicht über unseres.
- 4
Cloud-Key erzeugen
In der App auf „User Settings“ und dort „Authorization cloud key“. Der Schlüssel wird einmal erzeugt und bleibt gültig. Auf derselben Seite steht die Server-Adresse Ihres Kontos, etwa https://shelly-26-eu.shelly.cloud — jedes Konto liegt auf einem bestimmten Server, und ohne die richtige Adresse findet niemand Ihre Daten.
- 5
Geräte-ID heraussuchen
In der App das Gerät öffnen, dann Einstellungen und Geräteinformationen. Die ID sieht aus wie „shellypro3em-84fce6…“. Haben Sie mehrere Shellys im Konto, achten Sie darauf, den Zähler zu erwischen und nicht die Garagenbeleuchtung.
- 6
Bei uns eintragen
Im Konto die Anlage öffnen, Abschnitt „Messwerte“, und Schlüssel, Server-Adresse und Geräte-ID eintragen. Wir holen sofort einen vergangenen Tag ab und sagen Ihnen, was zurückkam. Kommt nichts, speichern wir die Anbindung nicht stillschweigend, sondern nennen den Grund.
Zwei Fehler, die teuer werden
Ein zu klein gewählter Stromwandler misst ab der Sättigung zu wenig — und zwar mittags, wenn die Anlage am meisten liefert. Und ein verkehrt herum montierter Wandler dreht das Vorzeichen: Die Einspeisung liest sich dann als Bezug. Beides fällt in der Kurve sofort auf, wenn man einmal hinsieht — und jahrelang nicht, wenn man es nicht tut.Was der Zähler nicht ist
Er ist nicht geeicht. Er liefert ein Indiz, kein Beweismittel vor Gericht — Ihr Wechselrichter allerdings genauso wenig. Für die Frage, ob eine Abregelung stattgefunden hat und ob eine Abrechnung grob danebenliegt, reicht das vollkommen. Für eine Nachforderung auf die Kilowattstunde reicht es nicht, und wir behaupten es auch nicht: Unsere Mengenprüfung sagt „plausibel“, nie „stimmt“.
Und er beginnt heute. Shelly hält die Historie rund sechzig Tage vor; wir holen täglich nach, aber für die Jahre davor liefert der Zähler nichts. Dafür ist der Datei-Import da — fast jedes Portal gibt den Verlauf der Vergangenheit als Datei aus, und die lesen wir ein.
Häufige Fragen
Brauche ich den Zähler für den Check?
Nein. Der Redispatch-Check rechnet aus den Maßnahmen, die Ihr Netzbetreiber veröffentlicht, und aus der Pauschalformel der Bundesnetzagentur — ganz ohne eigene Messwerte. Der Zähler beantwortet die zwei Fragen daneben: Hat die Anlage in der Maßnahme wirklich abgeregelt? Und stimmt die Menge, die Ihr Direktvermarkter abrechnet?
Ist der Zähler geeicht?
Nein, und das soll er auch nicht sein. Er liefert ein Indiz, kein Beweismittel vor Gericht. Ihr Wechselrichter allerdings auch nicht — der ist genauso wenig geeicht. Für die Frage, ob eine Abregelung stattgefunden hat und ob eine Abrechnung grob danebenliegt, reicht ein Indiz vollkommen.
Warum nicht einfach die API meines Herstellers?
Weil die meisten Hersteller sie sich bezahlen lassen oder gar nicht erst antworten. SMA ruft je nach Anlagengröße 12 bis 65 Euro im Monat je Anlage auf — bei 600 kW sind das 588 Euro im Jahr, nur um die eigenen Messwerte zu lesen. Huawei verlangt einen Zugang über den Installateur. Der Zähler kostet einmal rund 150 Euro und danach nichts mehr.
Was ist mit dem Wechselrichter-Portal, das ich schon habe?
Das können Sie weiter nutzen: Fast jedes Portal gibt den Verlauf als Datei aus, und die lesen wir ein — im Konto unter „Messwerte“. Das ist der Weg ohne jede Hardware. Der Unterschied ist die Laufendigkeit: Eine Datei laden Sie hoch, wenn Sie daran denken; der Zähler liefert von allein.
Misst der Zähler dasselbe wie mein Wechselrichter?
Nicht ganz, und das ist der Punkt. Der Wechselrichter meldet, was er am Gerät abgibt; abgerechnet wird der Einspeisezähler am Netzanschluss. Dazwischen liegen Leitungs- und Trafoverluste — bei einer von uns geprüften Anlage 2,1 Prozent. Der Shelly sitzt dort, wo gezählt wird, und misst deshalb die Größe, um die es in der Abrechnung geht.
Wie lange bleiben die Daten bei Shelly?
Rund sechzig Tage. Wir holen deshalb täglich nach, und ab dann liegen die Werte bei uns. Wer den Zähler heute einbaut, hat für die Vergangenheit nichts davon — dafür ist der Datei-Import aus dem Portal da.